Deutschland streicht Top-Musikpreis nach Antisemitismus-Vorfall

Image result for BVMIDer größte deutsche Musikpreis ECHO wird abgeschafft, nachdem in diesem Jahr ein Rap-Album mit angeblich antisemitischen Texten ausgezeichnet wurde.

„Die Marke Echo ist so stark beschädigt, dass ein kompletter Neuanfang notwendig ist“, teilte der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) mit.

Der BVMI hatte in den letzten Tagen zunehmend für die Ehrung des Albums Jung, Brutal, Gutaussehend 3 kritisiert, das sich mehr als 200.000 Mal verkaufte, obwohl einige seiner Inhalte von vielen jüdischen Gruppen als anstößig und andere aufgrund von Texten, die sich auf das NS-Vernichtungslager Auschwitz beziehen, als beleidigend angesehen wurden.

In dem Lied 0815 singen die Rapper Kollegah und Farid Bang, ihre Körper seien „definierter als Auschwitz-Häftlinge“, während ein anderer sagt: „Ich mache einen weiteren Holocaust, komme mit einem Molotow“. Beide Rapper haben gesagt, sie lehnen Antisemitismus ab. Zuvor hat der Dirigent Daniel Barenboim aus Protest gegen den Antisemitismusstreit mit einer wachsenden Zahl von Künstlern den Preis zurückgegeben.

„Wir wollen nicht, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie oder zur Verharmlosung von Gewalt wahrgenommen wird“, so der BVMI. Während die Veranstaltungen der diesjährigen Preisverleihung nicht rückgängig gemacht werden kan, sagte der Verband, er wolle „sicherstellen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederholen kann“. Stattdessen will der Verein drei Preise schaffen, die sich stärker an künstlerischen Leistungen orientieren. Während die Echo-Auszeichnungen für Jazz und Klassik von einer Jury aus Kritikern vergeben werden, basiert der Hauptpoppreis auf den offiziellen deutschen Musikcharts und wurden dafür kritisiert, dass er weitere Aufmerksamkeit auf erfolgreiche Künstler lenkt.

Mit dem diesjährigen Preis wurden auch die 17-fache Echo-Preisträgerin Helene Fischer und die Veteranen des Pop-Rocks, Die Toten Hosen, geehrt, die den Preis elf Mal gewonnen haben. Der Autor Jens-Christian Rabe kritisierte die Kriterien für die Auszeichnung in der Süddeutschen Zeitung.

Die Kontroverse um den Echo-Preis sowie ein gefilmter Angriff eines jungen syrischen Asylbewerbers auf einen 21-jährigen Mann mit Kippa in Berlin hat eine öffentliche Debatte über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland ausgelöst.

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